Beitrag des Lehrstuhls für Sportpsychologie in Journal „Biological Psychology“ veröffentlicht

Wie gehen Personen mit Misserfolg um? Und wie verändern sich emotionale Zustände durch negative Erlebnisse? Diesen und weiteren Fragen ist der Lehrstuhl für Sportpsychologie von Ordinarius Prof. Dr. Jürgen Beckmann im Rahmen eines weiteren Forschungsprojekts nachgegangen. Die Studie wurde nun unter dem Titel „Dealing with failure: Prefrontal asymmetry predicts affective recovery and cognitive performance“ im Journal „Biological Psychology“ veröffentlicht, das einen Impact Factor von 2,763 hat.


Es wurde untersucht, ob die Asymmetrie der Gehirnaktivität im präfrontalen Kortex (präfrontale Asymmetrie) die affektive Erholung und kognitive Leistung nach einem Misserfolg beeinflusst. Hierfür wurden die Alphawellen als Indikator für die neuronale Aktivität gemessen. „Wir haben das Gehirnaktivitätsmuster analysiert, um zu sehen, wie stark die rechte Hemisphäre im Vergleich zur linken aktiv ist“, erklärt Wiebke Hähl, Erstautorin der Publikation und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sportpsychologie.

Dafür absolvierten 47 Teilnehmer_innen zwei mentale Rotationstests, die durch eine kurze Pause unterbrochen waren, in der die Probanden negatives Feedback zu ihrer Leistung erhielten. Unter mentaler Rotation versteht man die Fähigkeit, zwei- oder dreidimensionale Objekte im Geiste zu drehen. Vor der ersten Aufgabe wurden die elektroenzephalographische (EEG) Daten zur präfrontalen Asymmetrie gesammelt. Zudem wurden während des gesamten Experiments affektive und kognitive Veränderungen anhand von visuellen Analogskalen zur Messung von subjektiven Einstellungen verfolgt.

„Die Probanden erhielten im Anschluss an den ersten Test alle die Rückmeldung, dass sie unterdurchschnittlich abgeschnitten haben“, so Hähl. „Nach der Misserfolgsinduktion waren die negativen Emotionen dann deutlich höher.“

In dem Projekt wurde festgestellt, dass Teilnehmer_innen mit einer höheren rechtshemisphärischen präfrontalen Asymmetrie, die sich nach dem Scheitern an der kognitiven Aufgabe mäßig oder stark aufgebracht fühlten, keine Erholung von ihrem negativen affektiven Zustand während der Pause zwischen den Aufgaben zeigten. Stattdessen blieben sie in einem negativen Zustand, unabhängig von der Aktivität, die sie ausübten, während sie auf die zweite Aufgabe warteten. Dies führte außerdem dazu, dass sie in der zweiten Aufgabe deutlich schlechter abschnitten als die Teilnehmer_innen mit einer linkshemisphärischen präfrontalen Asymmetrie.

Weiterhin stellte das Forscherteam fest, dass Teilnehmer_innen, die über ihre Fehler ins Grübeln gerieten, sowie bei solchen, die die Aufgabe nicht als herausfordernd oder bedrohend ansahen, weitere Leistungseinbußen auftraten.

Die Studie liefert Hinweise dafür, dass eine rechtshemisphärische präfrontale Asymmetrie eine Schwachstelle ist, die es Personen erschwert, ihre negativen Emotionen effektiv zu regulieren, was ihre kognitive Leistung beeinträchtigt. „Das heißt also, wenn die rechtsseitige Aktivität im vorderen Teil des Gehirns bei einem Menschen dominant ist, geht man mit Misserfolg insgesamt schlechter um“, ordnet Hähl die Befunde ein. „Das kann eine genetische Komponente sein, ist über die Zeit jedoch auch veränderbar, zum Beispiel anhand von Meditation, Achtsamkeitsübungen, aber auch durch Aktivitätsverschiebungen wie beispielsweise dem einseitigen Ballen einer Faust.“

„Bei der Untersuchung handelt es sich um die erste Arbeit im Promotionsvorhaben von Wiebke Hähl. Im Wesentlichen ist es Grundlagenforschung im Bereich der Selbstregulation im präfrontalen Kortex“, erläutert Prof. Beckmann, Ordinarius für Sportpsychologie und Betreuer der Dissertation.

Die Ergebnisse sollen nun in den sportlichen Kontext gebracht und auf schlechte Leistungen in Wettkampfsituationen übertragen werden. Dabei soll überprüft werden, ob Sportler_innen Strategien erlernen können, um selbst Einfluss auf eine schlechte Leistung zu nehmen oder mit dem Hang zum Grübeln besser umzugehen. Hähl betont, dass das „für alle Sportler_innen relevant wäre, also sowohl für Mannschafts- als auch Individualsportler_innen.“

 

Zur Publikation „Dealing with failure: Prefrontal asymmetry predicts affective recovery and cognitive performance“ im Journal „Biological Psychology“

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Kontakt:

Prof. Dr. Jürgen Beckmann
Lehrstuhl für Sportpsychologie
Georg-Brauchle-Ring 60/62
80992 München

E-Mail: Juergen.Beckmann(at)tum.de

Wiebke Hähl
Lehrstuhl für Sportpsychologie
Georg-Brauchle-Ring 60/62
80992 München

Telefon: 089 289 24786
E-Mail: Wiebke.Erk(at)tum.de
 

Text: Romy Schwaiger
Foto: „Biological Psychology“/privat