Student Theses and Projects: Government-as-a-Platform: Kontextualisierung digitaler Plattformen im öffentlichen Sektor

Thesis (MA/Projektstudium) - Reference number 2020-229

Betreuer: Lukas Daßler / Andreas Hein

KONTEXT

Die rasante Entwicklung und zunehmende Verbreitung digitaler Technologien setzt heutige Unternehmen einem hochdynamischen, vernetzten Geschäftsumfeld aus. Diese digitale Transformation verändert Märkte, Wertschöpfungsketten und Beziehungen, wobei die Erfassung und Nutzung von Daten eine immer wichtigere Rolle spielt. Vor allem digitale Plattformen und Ökosysteme haben hierbei unseren Alltag radikal verändert (Porter & Heppelmann, 2014). Während die Digitalisierung zunächst vor allem die Geschäftswelt und das Konsumverhalten der Menschen veränderte, hat sie inzwischen auch den öffentlichen Sektor grundlegend verändert. Spätestens mit dem Online-Zugangsgesetz, dem Portalverbund und der Forderung nach mehr Nutzer- und Bürgerzentriertheit (z.B. durch das Once-Only-Prinzip und die Datenhoheit) ist die Digitalisierung im breiten öffentlichen Sektor in Deutschland eingeläutet worden (BMWi, 2018; 2019).

Diese Forschungsarbeit zielt darauf ab, das etablierte wissenschaftliche Wissen über die Gestaltung und Steuerung digitaler Plattformen und ihrer Ökosysteme für den öffentlichen Sektor zu kontextualisieren und zu erweitern. Ein möglicher Weg, dieses Problem zu lösen, ist die Durchführung qualitativer Interviews mit Experten für die Implementierung digitaler Plattformen im öffentlichen Sektor und mit Verantwortlichen für die Bereitstellung von E-Government-Diensten.  Auf der Grundlage dieser Interviews können wir das etablierte Wissen über Design und Governance von Plattformen im öffentlichen Sektor kontextualisieren und erweitern und neue Einblicke in die Mechanismen und Prozesse des Ökosystems digitaler E-Government-Plattformen gewähren. Daher müssen Schlüsselaspekte des Ökosystems von Geschäftsplattformen wie Offenheit, Mitschöpfung von Werten und die Rolle eines vielseitigen Marktes auf den öffentlichen Sektor übertragen und angepasst werden.

Beispiele für solche Plattformprojekte in der Praxis sind die Implementierung von nationalen Verwaltungsplattformen und die Durchsetzung des Once-Only-Prinzips, das sicherstellen soll, dass Bürger und Unternehmen grundlegende Informationen nur einmal melden müssen (BMWi, 2018). Ein weiteres wichtiges Beispiel sind die Bürgerportale (z.B. BayernPortal) und die Einführung von One-Stop- oder No-Stop-Shops, in denen Dienstleistungen gebündelt und letztlich proaktiv und anwendungsfrei angeboten werden sollen (Scholta, et al., 2019).

AUFGABEN

  • Synthese und Gegenüberstellung von Literatur über die Gestaltung und Steuerung digitaler Plattformen in der Wirtschaft und im öffentlichen Sektor
  • Qualitative Interviews zur Kontextualisierung und Erweiterung des etablierten Wissens über Design und Verwaltung digitaler Plattformen im öffentlichen Sektor
  • Diskussion der Ergebnisse bezüglich der aktuellen Forschung
  • Aktive Verfeinerung und Weiterentwicklung der Forschungsidee

ANFORDERUNGEN

  • Ein hohes Maß an Autonomie und Eigenverantwortung
  • Interesse an aktuellen Themen der digitalen Transformation, Plattform-Ökosysteme und E-Government
  • Sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache zur Durchführung der Interviews
  • Sehr gute Noten und gute Kenntnisse der englischen Sprache sind von Vorteil

WEITERE INFORMATIONEN

Das Thema kann je nach Ihren Interessen angepasst werden. Aufgrund der Literatur, wäre es von Vorteil die Arbeit in englischer Sprache zu verfassen. Falls Sie weitere Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, mich direkt zu kontaktieren. Bitte senden Sie Ihre Bewerbung mit unserem Bewerbungsformular "Notenauszug" von TUMonline und Lebenslauf an application.winfo@tum.de. Bitte beachten Sie, dass wir nur Bewerbungen mit vollständigen Unterlagen berücksichtigen können.

Announcement date: 21.08.2020

LITERATUR

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie [BMWi]. (2018). Der Staat als Digitalisierungsplattform: Once Only 2.0. Digital Gipfel 2018, Nürnberg.

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie [BMWi]. (2019). Verwaltungsplattform als Ökosystem für Interaktion und Datensouveränität. Digital Gipfel 2019, Dortmund.

Porter, M. E., & Heppelmann, J. E. (2014). How smart, connected products are transforming competition. Harvard Business Review, 92(11), 11–64.

Scholta, H., Mertens, W., Kowalkiewicz, M., & Becker, J. (2019). From one-stop shop to no-stop shop: An e-government stage model. Government Information Quarterly, 36, 11-26.